Donnerstag, 13. März 2008

Sayonara, Japan, arigato gozaimas!

Ich muss Euch jetzt wohl etwas mit Bildern und Text zuschmeissen, aber weniger geht leider nicht, bei den unglaublich vielen Eindruecken, die ich in Japan habe.

Von Hiroshima bin ich nach Fukooka weitergefahren. Die Bahn ist hier sehr puenklich, schnell und ICE artige Shinkansen Zuege fahren alle paar Minuten, sher angenehm. Lucky me, dass ich mir noch in Sydney einen Railpass gekauft habe, sonst waehre es sehr teuer oder langsam geworden! Hier eine Bentobox im Zug. Ich hatte ja auf angenehmeres Wetter im Sueden gehofft, aber da gab es gerade gelben Schlammregen (wegen Sandsturm aus China), der in Schnee ueberging, kein perfektes Sightseeing Wetter. Freundliche Voluntaere, die ihr Englisch aufbessern wollten kamen ins Hostal um einem Origami beizubringen, lustig, ich kann jetzt den Kranich! Tagsueber habe ich Kyushu mit dem Zug durchkreutzt. Da gibt es Burgen und Vulkane, herlich schroffe Landschaften, heisse Quellen an jeder Ecke (Lonley Planet nennt das Island auf Steroiden), perfekte Onsen, die einen das uselige Wetter sehr angenehm machen, wenn man sich eine heisse Quelle ueber die Schultern fliessen laesst und dabei die Berge im Schnee bestaunt. Ausserdem kan man sich in heissen Vulkansand einbuddeln lassen und kleine Schreine bestaunen.
Dann dachte ich mir, wenn schon kalt, dann lieber richtig, und fuhr weiter nach Takayama, einem alten, abgeschiedenen Dorf in den Bergen. Als ich ankam tobte der Schneesturm. Dort lebte ich in einem Zenkloster, das ein Hostal hatte. Da ich der einzige Gast war, und die Schlafsaele so schwer zu beheizen sind, gab mir der weise Moench ein Einzelzimmer mit dubiosen Gasbrennerofen, und Heizdecke, die auch dringend noetig war. Das war sehr urig da. Es gibt da das legendaere Hida Rindfleisch, gerne auf einem Blatt mit Miso gegart, manigfaltiges saurer eingelegtes Gemuese, dass auch noch gut aussieht, und Sake. Da genoss ich dann Tiefschneewanderungen in strahlenden Sonnenschein und myrriaden kleine Tempel und Schreine.
Auf meinem Weg zurrueck nach Tokyo verbrachte ich einen tollen Tag beim Onsenhopping in
Gero, ein Bad in einem traditionellen, teuren Japanischen Hotel in den Bergen, mit traumhaften Aussenbad, eins mit Blicke auf den Fluss und eins auf dem Dach eines schicken Hotels mit unterschiedlich waremen Tontopfbecken, gerade gross genug fuer mich, oder 2 Japanerinnen. Maenner badeten aber auch direkt neben dem Fluss in einer Quelle, es gab mehr heisse Fussbecken als Leute und alle paar Meter kam heisses Wasser aus dem Boden, irre. Kaum zu glauben, dass noch genug Boden fuer das Dorf da war.
In Tokyo war es dann endlich Fruehling!
Viele Gruesse an die Kirschluete in der Dstrasse!Ich hab dann auch herrausgefunden, wie man sich am besten durch die Menschenstroeme bewegt, wenn man keinem hinterher laufen kann: nicht genau hingucken. Klingt komisch, geht aber. Vielleicht, weil die Japaner erschrocken stehen bleiben, wenn man sie anguckt, oder weil man beim Blickschweifen lassen besser mitschwimmt, wer weiss.

Ueberhaupt reagieren Japaner leicht verschreckt, wenn man sie anspricht oder guckt. Kommt man langsam, freundlich laechelnd auf jemanden zu, weicht er in der Regel wie zufaellig zurueck, und geht weg. Braucht man Hilfe beim Weg-finden, ist es besser einfach demonstrativ in die Karte zu gucken, dann hilft sofort jemand. Im Gegenzug muss man sich schon etwas mit seiner Karte verstecken, wenn man einfach alleine reingucken moechte. Welchen Ubahnausgang nehme ich jetzt?Aber dieses Sich-nicht-angucken, war anfangs schon irritierend. Es gibt mehr Situationen als man denkt, in denen man anderswo mit kleinen Blicken komuniziert. Aber auch Gesichtsausdruecke werden nicht sehr kultiviert, gibt nur neutral und laecheln, beides mit mir unklaren Bedeutungen. Aber wenn man Hilfe brauechte ist sofort jemand zu Stelle, das wirkte anfangs nicht auf mich. Und es ist sooo unglaublich sicher. Zum Beispiel hab ich ein Paeckchen Zigarretten mit Feuerzeug in einer quirligen Good Manner Raucherzone liegen lassen. Woanders haette ich mir gar nicht die Muehe gemacht zurrueck zu gehen, aber in Tokyo lag es noch nach einem halben Tag an der selben stelle. Unglaublich.

Diese lustigen jungen Menschen singen unter heftigen Gespringe ein Lied ueber ihre Koerperteile.In Tokyo war ich dann endlich in einem der legendaern Kapselhotes. Das sind sind Plastikzellen ca 1.50x1.50x2.20 m mit Fernseh, Radio, kuscheligem Bettzeug, Kimonopyjama, Zahnbuerste, Handuch, jap. Waschhandtuch und Hornhautfeile(!), jden Tag frisch. Das war gar nicht klaustophobisch wie befuerchtet, sondern schoen leise und kuschelig. Dazu gabs gratis Tee und Kaffee, einen perfekt ausgestattes Bad (Cremes und Foene und Gesichttsseife...) und ein nettes heisses Tauchbecken. Das ganze zum normalen Hostalpreis. Nett war auch, dass nur wenig "Backpackerpack" da war, dafuer aber viele "echte" Japaner, die "zuhause" etwas kontaktfreudiger als sonst sind.
Hier der blick von der Dachterasse. Erkennt man was das ist?
Das ist eine Brauerrei mit einem Hochhaus wie ein Bierglas.
Lustig auch das japanische Fernsehn, da gibt es Shows, wo Leute alle halbe Minute ein andere Gericht probieren und dann den Preis raten muessen, und dass 3 Stunden lang! Oder abendliche Seifenopern ueber einen suessen Meisterschueler, mit kleinen Lernfilmchen dazwischen, damit auch der Zuschaer versteht, was der kleine Kluge gerade verstanden hat. Wen sich 2 Japaner unterhalten, reden beide abwechselnd jeweils etwa gleichlang, waehrend der andere dauernd bestaetingende Geraesche macht. Das geht von ssossosso (alle 5 Sekunden) sagen bis zu energischen stossaertigen Dauerbrummen oder Stoehnen. Das wird dann richtig lustig, wenn sich eine Gruppe unterhaelt, dann toenen alle Zuhoerer. Bei Fernsehgespraechsrunden kommt dass dann aber wirkich sehr lustig.

Es gibt sehr viele Moeglichkeiten sich in Japan prima zu unterhalten. Da gibt es die Paschinkhoellen (Spielautomaten, die mit kleinen Kugeln bedient werden, die vor einer optischen Reizueberflutung runterrasseln, waehrend ein Hoellenlaerm abgeht). Oder die normalen Hochhausspielhoellen, jede Etage fuer eine ander Zielgruppe, Schuelerinnen beim Kuschelbaer schnappen, Schueler beim um die Wette trommeln, oder beim Autorennen, die Penner, die sich vor dem Pennyschieber aufwaermen, die Strategiespieler, die riesige Tafel vor sich hatten und Bildschirme mit Schlachten, oder die Zocker an riesigen elektronsichen Versionen von Bingo oder Poker. Alles mit einem ohrenbetauebenden Getoese und Gebimmel und einem Geblinke und Geglitzer, das epileptische Anfaelle ausloesen koennte.

Dann gibt es aber auch noch das Kabuki Theater. Ich hab gluecklicherweise nur eine Karte fuer einen Akt gekauft. Das war eine Stunde interssante sproede "Ua Ua"Gesaenge und Kimonotaenze und schoene Kulissen, aber 5 Stunden waere dann doch etwas viel gewesen.

Aber immer wieder beste Unterhaltung ist ein Bummel durch die Laeden. Japan hat kaum Ladenketten und Produkte wie sonst ueberall (z.B. es gibt zwar CocaCola, aber viel mehr ander Getraenke). Dafuer aber eine grosse Liebe zur absurden Sachen. Da gibt es neben Lernstaebchen fuer Kinder; Kissen, die aussehen wie Haende, die den Kopf halten; 50 verschiedene Arten von Mundschuetzen(werden viel getragen); auch diese Plastikspange fuer ein breites Laechel.Japan ist geruchsneutral. Wenn man einen Menschen riecht, kann man sicher sein, dass das ein Tourist ist. Und selbst auf dem riesigen Fischmarkt oder auf oeffentliche Toiletten riecht man nichts. Dafuer hat man im Japan aber eine Liebe fuer luestige Jingels, da machen Ampeln bei gruen gerne mal eine 20 Ton Melodie wie Schwarzwaldklinik, oder im Zug laeuft vor Stationen eine traurige 8 Ton Abschiedsmelodie gefolgt von einer sehr langen Ansage, wo man viel Uebung braucht, den Stationsnamen rauszuhoeren.


Ach, Japan war schon wunderbar anders und angenehm. Ich glaube, dass ich dort noch sehr lange nicht aus dem Staunen rausgekommen waehre, besonders wenn ich die Sprache gekonnt haette. Ich komme sicher wieder!

Nun bin ich in Hong Kong. Diese Stadt, die mir nach Vietnam so sauber und westlich georndet vorkam, wirkt nach Japan auf mich wie Sodom und Gomorra. Jetzt kann ich gut verstehn, warum Japaner im Ausland oftmals etwas verschreckt wirken. Komisch wieder angeglotzt zu werden. Auf der Strasse wird man angerempelt, vermutich sogar extra. Im Resaurant werden Knorpel auf den Tisch gespuckt und Geruelpst, als wuerde sich da gerade jemand von innen nach aussen stuelpen. Nichts gegen andere Tischsitten, aber das genuessliche Nudelsuppenschluerfen in Japan, war da schon mehr mein Ding. ja, ich vermisse sogar die geheitzten Klobrillen mit der Poreinigung. Ausserdem vermisse ich die feucht-heissen Handtuecher zu jeder Mahlzeit, das Teenachfuellen kaum, dass die Tasse leer ist und dass jeder Klo tipptopp superhygienisch ist. Nach einem Tag in Tokyo fuehlte ich mich wie frisch geduscht, hier in Hong Kong klebt man nach 10 Minuten schon wieder. Vielleicht auch wegem dem heftigen Smog. Das Umstellen zwischen Kulturen ist eben nicht ganz reibungsfrei.

Aber schoen, dass es hier wieder Strassennamen und Strassenschilder gibt, dass hilft doch ungemein. Auch hier gibt's viel lebenden Fisch und Meeresgetier wie in Japan auf den Maerkten, aber die werden nicht in Saegemehl stillgelegt, sondern die Armen zucken oder springen aus den kleinen Becken. Ueberall riecht bis stinkt es, wie zum Beispiel die chinesischen Apotheken, die merkwuerdig bis verstoerende Duefte verstroemen.

Ich wohne in einem Guesthouse mitten in Kowloon. Das ist in einem riesigem Gebaede, wo schon jede Etage wimmelnd wie ein Dorf ist, alle 16 Etagen sind wie eine kleine Stadt. Da gibt es neben unzaehligen Guesthaesern, noch kleine Wohnungen fuer sehr gemischtes Volk aus aller Welt, Innenhoefe mit Pflanzenwraks und Waesche, Handwerksbetriebe, Laeden fuer alles und auch dieses Internetcafe (10 Etage unten rechts im Bild)

Morgen gehts weiter nach Dehli, und es ist sicher ganz gut mich hier in Hongkong langsam wieder an das richte, wilde Leben ausserhalb von Japan zu gewoehnen.

2 Kommentare:

Peter hat gesagt…

Hallo, Welt!
Hier Bonn.

Das war mal wieder allerbeste Unterhaltung! Ich freue mich schon, mal live von Japan berichtet zu bekommen, denn das klingt alles soooo unglaublich. Aber da muss ich mich jetzt noch zwei Monate gedulden. :(
Hoffentlich vergisst Du über die neuen Eindrücke in Indien nicht alles zuvor erlebte und weißt noch viel zu erzählen. ;)

Viel Spaß und Erlebnisse bei Deiner letzten Reisestation.
Ich freue mich auf weitere Berichte und freue mich schon auf Deine Rückkehr!

Liebe Grüße nach Indien,
Peter

Claudia hat gesagt…

Happy Easter liebe Susanne! :)
Wünsche dir ein ausgefallen anderes Osterfest in Indien! :)

Denk an dich! Viele Grüße auch von Lilly und Oskar :)
Die CLAUDIA