Nach der angenehmen Zeit in der Zivilisation in Cuenca ging es weiter in den Urwald. Ueber Hoppelpisten (mehr Löcher als Piste) ging es 10 Stunden in immer dichter überwucherte Gegenden. Dabei gab es wunderschöne Aussichten über Flüsse die sich wasserfallartig in die Anden gefressen haben. Wunderbar. Etwas nervig war nur der nette alte, der neben mir sass, und die ganze Zeit nicht aufhörte zu reden, egal ob ich las, rausguckte oder schlief.
Bei der Busfahrt lief die ganze Zeit das Radio. In einer Sendung in der sozialistische Kampflieder liefen ("Bauern haltet alle zusammen", "wir marschieren bis zum Sieg...) auch "Moskau" von Dschigis Kahn lief. Das war zum schreien!!! Das kann passieren wenn man den Text nicht versteht...
An einer verlassenen Strassenkreutzung im Nirgendwo stieg ich aus und hoffte auf einen Bus zu Hola Vida. Das ist ein kleinens Regenwaldreservat und ich hofte da auch übernachten zu können. Ein Jeep mit einer Frau und ihren 5 Kindern hielt und bot mir ne Mitfahrgelegenheit und eine übernachtung in ihren cabañas an (Hütten für Reisegruppen). Fein, warum nicht.
Nach einem 15min Schlamm-Marsch durch den Dschungel uber klapprige Brückenb, glitschige Holzplanken kamen wir an einem reissenden Fluss an über den uns Jorge, ein Indio, übersetzte. Er und seine Frau und Jorge sein 3 monatiger Sohn waren die einzigen Bewohner der Hütten. Das war sehrsehrsehr einfach da, aber dafür kostete es fast nichts und ich wollte ja Abenteuer. Es gab Hühner, die die Bananen von den Stauden knabberten, Schidkröten, Hunde, unterschiedlichste Schmetterlinge und Vögel und Guantes (Riesenratten, die gegrillt werden).
Nach einer langen Wanderung durch den Urwald (Wasserfall, Blüten, zuwenig Wasser dabei, und die Flússe wirkten nicht sehr trinkbar, riesenbäume, Schlingpflanzen) ging es dann Einkaufen im "Dorf". Der Laden sah aus, wie im Wildwestfilm und fürs Abendessen gabs Reis und Eier und eine Zwiebel, sonst nichts. Damit ging ich in der Dámmerung zurück uber den Trampelpfad. Da hab ich eine echte Vogelspinne am Wegrand gesehen, uaaaa! Jorge setzte mich wider mit dem Kanu über. Dann gab er mir noch ne Kertze und meinte er müsse sich jetzt um seine Frau kümmern, die wär krank.
Da stand ich nun mit der Kerze (Stom gabs nicht, aber trinkbares Regenwasser) in dem offenen Holzverschlag mit dem stinkenden Hund und um mich Rum ging das Getose los. Das hoerte sich an wie startende Flugzeuge, Strassenbauarbeiten und Sirenen, alles gleichzeitig. Das waren vermutlich Grillen und Voegel. Wunderbar, aber verdamt gruselig.
Meine tolle Stirntaschenlampe war da auch keine Hilfe, da flog einem nur der ganze Urwald ins Gesicht, macht keinen Spass...
Da fliegen einem fingerlange Glühkäfer in den Kochtopf und sobald einem etwas Reis runterfällt haben den schon 100 Ameisen aufgefressen. Wenn ich nicht allein gewesen wäre, wäre das alles herrlich spannend und lustig gewesen, so war es auserdem auch noch unheimlich.
Ich hatte zum Glueck noch eine Dose Bier dabei, die trank ich dann in der Hängematte vor meiner Hütte und gewöhnte mich an dei Gerräusche. Sehr froh war ich über das Mücekennetz, es gab zwar keine Mücken, dafür aber viele flauschige Raupen und Riesenheuschrecken.
Die weiteren Abende waren lustiger, weil alle wieder Gesund waren. Ich ass Reis und Kochbananen und zur abwechlung Kochbananen und Reis mit der Familie. Jorge meinte ich hätte die Ameisensaison verpasst. Ich glaub das war kein Witz...
Jorgito trug rote Bänder, dass er keinen schlechten Winbd fängt, wenn er im Rückentuch über die Berge und durch den Wald getragen wird. Im Dorf gäb es aber auch eine Heilerin gegen den schlechtne Wind. Sie wollten viel über Deutschland wissen, gibt´s da auch Tiere und Wald, hat jeder ein Auto? Das war spannen und lustig mit denen.
Das war hoffenlich der letzte gelb/schwarze eintrag, demnächst auch wieder etwas bunt. ;-))
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4 Kommentare:
was haettest du denn an der kreuzung gemacht,wenn keine jeep oder bus gekommen waere?
ola ola ola,deine berichte sind auch ohne fotos so anschaulich,dass ich im fernen bonn doch irgendwie froh bin,gemuetlich am compi zu sitzen und max. von 2 schreienden kindern mal geweckt zu werden.
dann pass mal weiter gut auf dich auf,damit wir noch viel lustiges aus dem abenteuerlichen suedamerika hoeren.
Ach, Du Arme, Kameragebeutelte...
Die Technik ist aber echt nicht nett zu Dir.
Was hältst Du denn davon demnächst einfach Bildchen zu malen? Hätte jedenfalls einen sehr besonderen Touch. ;)
Viel Gruß und Glück
vom Peter-Stück
Oooops, das gerade war der richtige Kommentar zum falschen Text. Oder umgekehrt... ;)
Sorry!
Und hier kommt der richtige Kommentar zu richtigen Text:
:D
Die Überschrift könnte auch lauten "Indiana Johanna - Jägerin des verlorenen Schatzes". Ich frage mich nur, ob bei Dir auch ständig jemand rumschreit "Vorsicht, Indyyyyyy!". Und wenn ja, wer ist dieser panische junge Mann? ;)
Dein Bericht ist wirklich spannend bis gruselig-ekelig...
Danke für die sehr gute Unterhaltung!
Und denk immer dran, wenn das Essen langweilig wird: Wir sind nach Deiner Rückkehr zum Essen verabredet! (Wenn das nicht mal eine laaaaange Vorfreude ist...)
Freue mich schon drauf! Und in baldiger Bälde auf ein paar Fotos. ;)
Adele,
Peter
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